VfB Oldenburg – VfB Lübeck

Bereits weit vor Spielbeginn machten die Lübecker Anhänger*innen negativ auf sich aufmerksam. Mehrfach skandierten sie homophobe Gesänge wie „Schwule – Schwule“, „Jetzt oder nie Homophobie“ und ähnliche Peinlichkeiten. Unser Stadion-DJ reagierte richtig und legte Songs u.a. von den Pet Shop Boys, Frankie goes to Hoolywood auf. Nachdem ein „YMCA“ durch die Boxen schallte und es von einigen Leuten in unserem Block performt wurde, hatten die Grün-Weißen die Message vorerst verstanden und ließen kurzzeitig von ihrem menschenverachtenden Treiben ab.

Insgesamt waren es über 2500 Zuschauer*innen, die die Tore des Marschwegstadions passierten. Das Commando Donnerschwee zeigte zum Einlaufen der Teams eine Choreo, die sich der Stadionthematik widmete. Ein „Oldenburg braucht ein neues Fußballstadion“ Banner wurde vom Zaun heruntergelassen und eine größere Blockfahne mit den möglichen Umrissen des Nordweststadions gezeigt.

Der Support auf der Gegengerade startete gut, glitt aber mit zunehmender Spieldauer in die Mittelmäßigkeit ab. Der Gästeblock zeigte auch nur durchschnittliche Kost, garniert mit einigen homophoben Ekelhaftigkeiten. Überhaupt hatte Lübeck wenig Material mitgenommen. Außer zwei Fahnen und einen Halter gab es auch nichts in Richtung Autobahn zu sehen. Fast nichts:

Ein paar Minuten waren gespielt, da versuchten lübecker Fans eine Fahne am Zaun zu präsentieren. Nachdem sie mehrere Minuten gegen den Wind und ihren mutmaßlichen Alkoholpegel ankämpften, gaben sie ihr Unterfangen auf und befestigten den Fetzen seitlich am Zaun. Letztendlich konnten wir vor Ort nur vermuten, welche Botschaft sie uns mitteilen wollten. Erst auf Fotos wurde uns bewusst, welches Motiv uns gezeigt wurde:

In einem Kreis war eine Person abgebildet, die auf eine pinke, am Boden liegende Person einschlug. Beschriftet war das Ganze mit „Good Night Gay Pride“. Auch der Hintergrund des Motivs strotze vor Widerwertigkeit: Links war eine Rote Fahne angedeutet, in der Mitte mehrere Personen in weißen Hemden. Rechts war eine Person in brauner Uniform gedruckt. Bei der Suche nach dem entsprechendem Motiv, stießen wir schnell auf dieses Blog:

http://gayburg.blogspot.de/2015/05/i-neonazisti-minacciano-il-pavia-pride.html

Bei der Fahne handelte es sich um einen Druck des im Artikel gezeigten Bildes. Die Uniform wurde einem sogenannten Braunhemd nachempfunden: Der Parteiuniform der NSDAP. Um welche rote Fahne es sich auf dem Bild gehandelt hat, dürfte somit leicht zu erraten sein. Das italienische Blog auf dem das Bild veröffentlich wurde, erscheint hingegen nicht homophob oder gar neonazistisch zu sein – im Gegenteil. Aus dem verlinkten Artikel geht hervor, dass das „Good Night Gay Pride“ Motiv von italienischen Neonazis genutzt wurde, um gegen Pride Paraden zu hetzen. Unklar ist uns jedoch, ob dies im Zusammenhang mit dem Hintergrundbild passierte oder ob es sich um eine Montage handelt, um die Nähe des Motivs zum Neonazismus zu verdeutlichen. Klar ist hingegen, dass die Lübecker*innen das Bild benutzten, um gegen homosexuelle Menschen zu hetzen und im gleichen Atemzug den Nationalsozialismus glorifizierten.

Interessant waren auch die Reaktion der restlichen VfB Lübeck Fans auf das Banner: Es gab keine. Vielmehr stimmte der Großteil der Personen im Gästeblock in die homophoben Gesänge mit ein. Es fühlte sich zudem niemand dazu berufen das Banner abzuhängen.

Gespielt wurde übrigens auch noch. Mit einem 3:1 (0:0) schickten wir die homophoben Vollhonks nach hause. Die meisten Lübecker*innen verließen bereits zur 80. Minute das Stadion. Wir hoffen an dieser Stelle, dass es ihnen in Oldenburg nicht gefallen hat.




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